Jede Messerklinge besitzt zwei inhärente Eigenschaften: Härte und Zähigkeit. Flint- und Obsidianmesser, die von Ureinwohnern Nordamerikas verwendet wurden, waren weitaus härter als Stahl und konnten extrem scharf gestellt werden, hatten jedoch keine ausreichende Zähigkeit und brachen leicht. Das Gegenteil davon finden Sie bei den zu Hause verwendeten Tischmessern. Diese Utensilien sind sehr robust und können bis zu einem gewissen Grad gebogen werden, ohne zu brechen. Die Fähigkeit, eine Kante zu halten, ist jedoch begrenzt.

Dem Klingenstahl wird durch den Wärmebehandlungsprozess Härte verliehen. Zähigkeit wird durch nachfolgendes Tempern oder Abziehen einiger der Härte erreicht, die durch die anfängliche Wärmebehandlung entstanden ist. Das Endergebnis ist eine Klinge, die sowohl Härte gegen Kantenerosion als auch Zähigkeit für den täglichen Gebrauch besitzt. Der Grad, bis zu dem die endgültige Härte erreicht wird, kann mit einem Rockwell-Tester gemessen werden.

Dieses 1919 von dem Metallurgen Stanley P. Rockwell erfundene Instrument kann die Härte einer Vielzahl von Metallen sowie vieler anderer nichtmetallischer Werkstoffe genau und wiederholt messen. Zu diesem Zweck verwendet der Rockwell-Tester einen speziellen konisch geformten Penetrator (ein Diamant wird zum Testen von Klingenstahl verwendet), der unter Druck auf das zu testende Material aufgebracht wird. Der Härtewert wird dann von einer Skala am Instrument abgelesen, wobei härteres Material einen höheren Zahlenwert ergibt.

Rockwell-Härtewerte sind eine Kombination aus einer Härtezahl und einem Skalensymbol. Es gibt verschiedene Maßstäbe, aber zum Testen von Klingenstahl wird die Rockwell-Skala "C" verwendet. Das obere Ende dieser Skala wäre konzeptionell 100. In der Realität liegt der Härtebereich der meisten wärmebehandelten Klingenstahls jedoch zwischen 48 und etwa 65. Klingen, die in das untere Ende dieses Bereichs fallen, werden auf eine schnelle Schärfung reagieren. Nach dem Schärfen tritt die Kantenerosion jedoch genauso schnell auf. Dementsprechend bieten Klingen, die in den oberen Härtebereich fallen, eine verlängerte Kantenhaltbarkeit. Bei Bedarf können jedoch Schwierigkeiten beim Schärfen auftreten.

Der Testprozess
Der tatsächliche Härtetest ist ziemlich einfach. Der erste Schritt besteht darin, die wärmebehandelte Klinge im Instrument zu befestigen. Als nächstes wird der konisch geformte Diamantpenetrator an einem ausgewählten Testort auf die Klinge mit geringem Druck nach unten aufgebracht. Der Grund, warum in dieser Testphase nur geringer Druck ausgeübt wird, besteht darin, sicherzustellen, dass der Testbereich absolut flach ist, und für die Festlegung eines Nullbezugspunkts. Nach diesem ersten Schritt wird für einen bestimmten Zeitraum (Verweilzeit) eine große Abwärtskraft auf den Penetrator ausgeübt. Die Eindringtiefe in das Testmaterial von der Nullreferenzposition aus wird gemessen und in einen Rockwell-Härtewert umgerechnet. Obwohl die tatsächliche Eindringtiefe nur einen Bruchteil eines Millimeters beträgt, reicht dies aus, um einen Härtewert bereitzustellen.

Die Einfachheit des Rockwell-Tests ist der Grund, warum seine Verwendung so universell geworden ist. Der Test kann von Hand oder als Teil einer mechanisierten Montagelinie durchgeführt werden. Die Härtewerte werden auf einer Skala angezeigt, so dass keine besonderen Berechnungen erforderlich sind. Der Test liefert ein schnelles, genaues und wiederholbares Maß für die Härte der Stahlklingen an mehreren Stellen.

Einschränkungen
Beachten Sie beim Betrachten der Rockwell-Testdaten, dass der Test seine Grenzen hat. Zunächst ist der tatsächliche Härtewert nur am Durchdringungspunkt gültig. Dies ist möglicherweise nicht so wichtig, wenn die Klingen in einer computergesteuerten Umgebung wärmebehandelt werden, die eine vollständige Wärmesättigung ermöglicht. In dieser Einstellung ist eine Stichprobe für die gesamte Charge ausreichend. Wenn jedoch eine Klinge durch die alte „Hand-Augen-Methode“ der Wärmebehandlung, die von vielen Einzelherstellern verwendet wird, gehärtet wird, liefert der Test genauere Daten, wenn sie an mehreren Stellen entlang der Klingenlänge durchgeführt wird. Zweitens liefert der Rockwell-Test nur Daten über die Härte der Klinge am tatsächlichen Durchdringungspunkt. Es ist durchaus möglich, eine Klinge mit einer harten Kante und einem viel weicheren Rücken zu haben. In der Tat halten viele Messerhersteller dies für wünschenswert. Trotz dieser Einschränkungen ist der Rockwell-Test ein äußerst zuverlässiger Indikator für die Klingenhärte. Und die quantitativen numerischen Werte geben einen klaren Einblick in die Funktionsleistung.